Filmarchiv 2008

Rechenschaftsbericht für 2008

In diesem Bericht blicken wir zurück auf ein gelungenes Kinojahr, das sich nach außen durch eine abwechslungsreiche Programmgestaltung und mehrere Highlights, vereinsintern durch gute und effiziente Zusammenarbeit auszeichnete. Trotz gesunkener Mitgliederzahlen haben wir ein zweites Filmfest geplant und durchgeführt, im Frühjahr einen Wunschfilm wählen lassen und mit anderen Kulturschaffenden gemeinsame Projekte umgesetzt. Im Februar zeigten wir in der Radeberger Stadtkirche „Moderne Zeiten“ mit Live-Orgelbegleitung. Eine zweite Aufführung dieses Programms fand unter unserer Regie in Dresden-Pieschen statt. Wir kooperierten erneut mit dem Seifersdorfer Schlossverein sowie dem Schloss Klippenstein. Außerdem lief im Juli ein Kinderfilm als Sonderveranstaltung für die Radeberger Tafel, im September ein Film als Ergänzung zur Themenwoche „Depression im Kindes- und Jugendalter“ im Humboldt-Gymnasium.
Um unsere Energien in für uns wichtige Aufgaben investieren zu können, haben wir vorerst eine Sommerpause eingeführt sowie beschlossen, am Festumzug nicht mehr teilzunehmen.

Ein Blick auf unser Programm des Jahres 2008 zeigt einen gewissen Hang zu Komödien, die jedoch alle sehr gut besucht waren und mitunter sogar hinterher vom Publikum beklatscht wurden. Abgesehen von den Stummfilmen sowie Lolek und Bolek waren außerdem alle Filme relativ neue Produktionen. Der Qualität des Programms tat das keinen Abbruch, diese Tendenz sei lediglich angemerkt. Abwechslungsreich waren 2008 die Vorprogramme. Als besonders gelungen erwies sich die Idee des Zeichenwettbewerbs zu „Schwarze Schafe“sowie die Dekoration zu „Leergut“. Mit den Besucherzahlen können wir zufrieden sein; besonders die tschechischen Filme zogen immer viel Publikum ins Kino; zu „My Blueberry Nights“, „Lolek und Bolek“ und „Pilgern auf Französisch“ war die Kinobar sogar ausverkauft. Die Besucherzahlen sind allerdings kein alleiniger Gradmesser für die Qualität eines Filmes. So hätten wir dem großen Rennen von Belleville oder der Dokumentation „Trip to Asia“ wirklich mehr Publikum gewünscht.
Erfreulich ist, dass nicht jeder Film dieselben Gäste anzieht. Nach wie vor kommen neue Besucher ins Kino, darunter auch Jugendliche, wenngleich sie noch immer in der Minderheit sind. Unsere Jahreskarte hat sich bewährt und wird von regelmäßigen Kinogängern gern angenommen.

Gleich zu Jahresbeginn unterbrachen wir unseren regulären Spielbetrieb für einen ersten Höhepunkt: Stummfilm mit Orgel in der Kirche. Zu der Vorstellung in Radeberg kamen ungefähr 250 Besucher; in Dresden waren es vielleicht 150. Das Zusammenspiel von Chaplins Komik und Wolf-Günter Leidels Improvisationen war sehr beeindruckend und begeisterte das Publikum. Die Resonanz der Gäste entschädigte für die anstrengende Vorbereitung des Programms. Die Schwierigkeiten, einen passenden Film zu finden, hätten wir vermeiden können, indem wir sofort mit dem Filmkundlichen Archiv Kontakt aufgenommen hätten. Die ungleiche Aufgabenverteilung zwischen Kinoverein und Kantor Fritzsch sorgte zunächst für Unmut; unser Aufwand wurde dann allerdings durch eine wirklich faire Aufteilung der Einnahmen gewürdigt.
Bei unserer Wunschfilmabstimmung für den Aprilfilm kam es durchaus überraschend, dass eine dunkelschwarze Komödie den Sieg für sich verbuchen konnte. „Schwarze Schafe“ war dann auch wirklich gut besucht – auch von Leuten, die wir nie zuvor im Kino gesehen hatten.
Die Zusatzveranstaltungen in Seifersdorf sowie das Open Air im Schloss Klippenstein verliefen erfolgreich. Gutes Wetter zum Open Air lockte zahlreiche Gäste in den oberen Schlosshof, der stimmungsvoll mit Kerzen gestaltet war.

Neben unserem Spielbetrieb waren wir von Beginn des vergangenen Jahres auch mit der Vorbereitung des zweiten Filmfestes beschäftigt, dem wir den Namen „Musik trifft Film“ gegeben hatten. Bereits im August 2007 hatten wir beim Kulturraum Fördermittel beantragt, die uns auch bewilligt wurden, wenn auch nach einigem Hin und Her mit der zuständigen Sachbearbeiterin.
Die Erfahrung der Premiere hatte uns gelehrt, zügig einen Filmpool anzulegen und mit der Sichtung zu beginnen, um rechtzeitig ein Programm zusammenstellen und veröffentlichen zu können. Auch 2008 lief aufgrund von Verleihschwierigkeiten nicht alles sofort ganz glatt, doch vor der Sommerpause standen alle Filme fest. Wir hatten uns anlässlich des Themas überlegt, vor jedem Film ein kurzes musikalisches Vorprogramm zu präsentieren und nahmen Kontakt zu verschiedenen Musikern oder der Region auf. Es gelang uns, bekannte Bands sowie Nachwuchskünstler zu engagieren. Das Festprogramm war durch seine Filme und musikalischen Vorführungen ausgesprochen vielseitig und lockte damit auch sehr verschiedene Gäste ins Kino. Manche kamen auch mehrmals und nutzten unser Angebot der Dreierkarte. Zwei ganz Begeisterte schafften es sogar, zwei Dreierkarten zu füllen.
Im Vergleich zum Vorjahr war das Filmfest nicht so durchgehend gut besucht. Die Idee, den Eröffnungsfilm als Familienprogramm zu gestalten, um uns vom Kneipenfest abzuheben, scheiterte vermutlich am guten Wetter, obwohl wir Chaplin-Komödien mit Livebegleitung am Klavier präsentieren konnten und vor dem Kino die Band von Thomas Rentsch Musik machte. Die anwesenden Gäste genossen jedoch die qualitativ wirklich hochwertige Begleitung von Matthias Zeller.
Im Vorfeld des Filmfestes hatten wir eine Werbekampagne gestartet, mit der wir auf unser Programm aufmerksam machen wollten, hatten riesige Schilder mit Musikinstrumenten auf dem Markt aufgehängt, über die sich die Passanten zunächst wundern sollten, hatten Hinweise gestreut und die Sache schließlich aufsehenerregend aufgelöst, mit Musik vom Traktoranhänger und Akrobatik auf dem Markt, Einradfahren und Jonglage. Leider verliefen diese Aktionen aufgrund der passiven Haltung der Lokalpresse nicht so publikumswirksam, wie wir das gern gehabt hätten. Berichte zum Filmfest erschienen nur auf unser Drängen hin in den Zeitungen, nur die SZ zeigte in vereinzelten Situationen Eigeninitiative. Die Sax und das Dresdner Kulturmagazin nahmen unser Programm diesmal nicht in ihren Kuturkalender auf; die PluSZ tat dies erst nach mehreren Anrufen. Auf unsere Einladungen reagierte die Presse kaum, sodass die Berichterstattung im Vergleich zum letzten Jahr weitaus häufiger in einer wörtlichen Wiedergabe unserer eigenen Pressemitteilungen bestand. Auf das Interesse der Redakteure haben wir keinen Einfluss; vielleicht wird es in diesem Jahr nötig sein, noch eindringlicher um Anwesenheit zu Fototerminen und Aktionen zu bitten.
Günstig für uns war, dass sich während des Filmfestes eine Garchinger Delegation in Radeberg aufhielt und gemeinsam mit dem Radeberger Bürgermeister den Amateurfilmwettbewerb besuchte. In Anwesenheit der Presse verkündete Herr Lemm schließlich, in Zukunft einen Preis für den Sieger stiften zu wollen.
Auch 2008 war es für uns schwierig, Amateurfilme zu finden. Insgesamt stehen bei der Vorbereitung und Durchführung des letzten Filmfesttages Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis. Wir werden die Veranstaltung vermutlich aus dem Schloss Klippenstein in die Kinobar verlegen, weil der logistische Aufwand, zunächst alle nötigen Dinge ins Schloss und nachher wieder zurück zu bringen, für einen so kleinen Verein nicht gut zu bewältigen ist. Auch der Filmball kann durchaus in kleinerem Rahmen stattfinden – dann zwar nicht zu der wirklich guten Musik vom musikalischen Kwartett, doch die Filmfestvorprogramme haben gezeigt, dass auch auf wenig Raum schöne Musik gemacht werden kann. Der Amateurfilmwettbewerb und Filmball 2008 waren insgesamt ein erfolgreicher Abend, doch angesichts der Größe der Räumlichkeiten, die wir diesmal nutzten, wären noch ein paar mehr Gäste nötig gewesen, um ein ähnliches Gefühl zu vermitteln wie 2007. Es ist allerdings nicht richtig, immerzu beide Filmfeste miteinander zu vergleichen, wenn dabei nur die Statistik zu Rate gezogen wird. Abgesehen nämlich von leicht gesunkenen Besucherzahlen lief das Fest sehr gut, war spannend und abwechslungsreich. Besonders wichtig ist außerdem, dass wir diesmal die Arbeit besser aufteilten und dank klarerer Absprachen bei Planung und Durchführung entspannter waren als im ersten Jahr. Diese Haltung erwies sich als sehr angenehm und konstruktiv.
Im vergangenen Jahr wurden teilweise die Aufgaben unter den Mitgliedern neu verteilt. So übernahm Anne nun offiziell das Amt der Schatzmeisterin und brachte ihr Wissen im Umgang mit Finanzen in unsere Buchhaltung ein, und Claudia erklärte sich bereit, künftig die Eintrittskarte sowie verschiedene Werbemittel zu gestalten und gemeinsam mit Rolf die Homepage zu aktualisieren. Nach wie vor ist jedoch Rolf der einzige, der die 35-mm-Anlage bedienen kann. Er rüstete sie im vergangenen Jahr auf, um uns in die Lage zu versetzen, auch neue Filme zu zeigen, deren Tonspur die alte Tonlampe nicht richtig erfassen konnte.
Aufgabe im neuen Jahr wird sein, nach neuen engagierten Mitgliedern Ausschau zu halten. Wir bewältigen die anfallenden Aufgaben zwar allein, doch neue Kräfte und neue kreative Ideen können den Verein nur bereichern. Ansonsten befinden wir uns auf einem guten Weg – das Zusammenspiel von regulärem Spielbetrieb und besonderen Höhepunkten ergibt ein ausgewogenes Ganzes; der wichtigste Höhepunkt ist dabei sicherlich das Filmfest, das auch 2009 stattfinden wird. Mit Spannung erwarten wir nun zunächst das Frühjahrshighlight, eine Themennacht, welche diesmal Helge Schneider gewidmet ist.

Antje Junghanß, Vereinsvorsitzende