Filmarchiv 2009

Januar

"RIVERS AND TIDES"
Dokumentarfilm/Kunst - Deutschland 2000
FSK: Ohne Altersbeschränkung - 94 Min.

Über den schottischen Künstler Andy Goldsworthy sind bereits etliche Bildbände erschienen. Sein Material nimmt er ausschließlich aus der Natur. Er arbeitet mit Steinen, Blättern, Zweigen, Eis, er arrangiert sie innerhalb ihrer Umgebung um, überlässt sie dem Wind, dem Regen, der Zeit, die sie verändern. Nur seine Fotos halten den Moment fest.

Februar

"ONCE"
Drama/Musical - Irland 2006
FSK: Ohne Altersbeschränkung - 87 Min.

Der talentierte Straßenmusikant Guy (Glen Hansard) repariert im Geschäft seines Vaters (Bill Hodnett) Staubsauger und träumt von der großen Karriere. Bei einer Darbietung trifft er auf die junge tschechische Immigrantin Girl (Markéta Irglová), die auf der Straße Blumen verkauft. Beide wurden einst von ihren Geliebten verlassen und merken bei einem gemeinsamen Impromptu schnell, dass sie füreinander bestimmt sind. Sie bündeln ihre Kräfte für eine Studioaufnahme.

Der Gewinner des Publikumspreises in Sundance ist ein herzerfrischendes, lyrisches und bezauberndes Kleinod aus Irland. John Carney ("On the Edge") verbindet ein hinreißendes Musical mit einer ehrlichen und zurückhaltend erzählten Liebesgeschichte.


März

Into the Wild
Abenteuer/Drama - USA 2007- ab 12 -148 Min.

Mit 20 Jahren stehen dem herausragenden Sportler und Studenten Christopher McCandless alle Türen weit offen. Dennoch entscheidet er sich nach seinem Studienabschluss im April 1992 spontan, seine privilegierte Existenz und das Elternhaus)hinter sich zu lassen. Er spendet seine Ersparnisse und trampt ohne einen Cent in der Tasche quer durch die Staaten in die Wildnis nach Alaska...

Tragische Geschichte eines Aussteigers, mit der Sean Penn in seiner vierten Regiearbeit den Tatsachenroman von Jon Krakauer als intensives Abenteuer, einfühlsame Charakterstudie und eindringliches Survival-Drama umsetzt.

April

Helge Schneider Kult Nacht

Wer nur „Katzeklo“ kennt,
kennt Helge Schneider nicht.
Deshalb wollen wir dem interessierten Kunstkonsumenten die Möglichkeit geben, an einem Abend gleich mehrere Facetten des Multitalentes Helge kennen zu lernen, nämlich mit:

Buchlesung + Hörspiel + Film

Jazzclub -
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Komödie - D 2004 - ab 0 Jahre - 84 Min.

Am liebsten spielt Teddy Schu (Helge Schneider) mit seinen Freunden Bassist Steinberg und Schlagzeuger Howard Risk im Jazzclub von Mühlheim zum Tanztee auf. Da aber Teddys Frau mit Musik nun mal rein gar nichts anfangen kann und auch die Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärmbelästigung sich häufen, muss Teddy nebenbei noch als Fischverkäufer, Zeitungsausträger und Gigolo sein Geld verdienen. Das ändert sich, als ein Musikmanager auf den Plan tritt und die Band unter Vertrag nehmen will.

Vorhang auf für frei improvisierte Albernheit, tiefen Unsinn und manch musikalische Perle im neuen Kinostreich von Ruhrpott-Unikum Helge Schneider.

 

Mai

Rumba
Komödie – F/Belgien 2008 – ab 12 – 77 Min.

Grundschullehrer Dom und Fiona frönen stets nach Feierabend ihrer Leidenschaft für die Rumba und gewinnen locker jeden Tanzwettbewerb. Doch auf dem Heimweg von einer Tanzveranstaltung stellt sich ihnen das Schicksal in Person eines tollpatschigen Selbstmörders in den Weg. Um ihn vor dem Freitod zu bewahren, fahren sie mit dem Auto gegen eine Wand. Und ihr Leben ist nicht mehr wie es vorher war. Fiona wacht in einem Ganzkörpergips auf, und Doms Gedächtnis leidet fortan unter Systemausfall. Als sich Dom nicht mehr an den Heimweg erinnern kann und stattdessen in einer Imbissbude mit Meerblick landet, begibt sich Fiona auf eine abenteuerliche Suche nach ihm.

Eine Clowneske, zu deutsch: Eine heiter-bittere Tragikomödie ungewöhnlichen Stils präsentiert das Kreativ-Trio Gordon-Abel-Romy. Sie berufen sich bei ihrer haarsträubend komischen Geschichte über Liebe und Leidensfähigkeit auf die Legenden Buster Keaton und Jacques Tati ("Trafic").

Juni

Solino
Drama/Komödie - D 2002 ab 12 - 124 Min.

1964 bricht die Familie Amato aus dem sonnigen Solino in Apulien nach Norden auf, um im fernen, reichen Deutschland das Glück als Gastarbeiter zu machen. Am Anfang ist der Kulturschock groß und auch die Arbeit unter Tage nicht jedermanns Sache, doch als man auf die Idee kommt, Duisburg eine erste Pizzeria zu bescheren, geht es aufwärts. Mit dem bescheidenen Wohlstand aber kommen neue Probleme: Die Ehe der Eltern (Antonella Attili, Gigi Savoia) droht an Papis Schwerenöterei zu zerbrechen, während sich die Söhne (Barnaby Metschurat, Moritz Bleibtreu) über Frauen und schöne Künste in die Haare geraten.

"Kurz und schmerzlos"-Wunderknabe Fatih Akin ("Im Juli") lässt in seinem dritten abendfüllenden Kinofilm mit viel Humor und noch mehr Einfühlungsvermögen drei Jahrzehnte im Leben einer italienischen Gastarbeiterfamilie Revue passieren.

Juli

Sommerpause


 

Rückblick

am 8. August präsentierte sich der Kinoverein auf der Vereinsstraße beim Radeberger Bierstadtfest.

An dieser Stelle möchten wir allen fleißigen
Kuchenbäckern danken, die zum Erfolg unseres Straßencafe´s beigetragen haben. Besonderer Dank an Ria und Henry, die uns ihre Küche zur Verfügung stellten, an Torsten/Fa. Stromwelt für Transport und Aufbauhilfe und an Susi für dieUnterstützung beim Verkauf.

Jeremias Vale
hat alle Fragen in unserem Quiz richtig
beantwortet und gewinnt somit eine Jahreskarte für den Buena Vista e.V.

Quizauflösung

August

Openairkino auf Schloss Klippenstein

Buena Vista Social Club
Doku/Musikfilm D/USA 1998, ab 0 J., 105 min,
Regie Wim Wenders


In ihrem Heimatland werden sie wie Kultfiguren verehrt, die legendären Soneros der 30er, 40er und 50er Jahre. Ihre Musik ist Sinnbild des pulsierenden Lebens in Kuba, drückt die Träume und Sehnsüchte der Menschen aus. Als die Idole von einst noch einmal zusammentreffen, um das Album "Buena Vista Social Club“ aufzunehmen, wird die ganze Welt auf ihre Musik aufmerksam. Das Album verkauft sich mehr als drei Millionen Mal und die "Super-Abuelos" (Supergroßväter) werden bei Konzerten in Amsterdam und New York enthusiastisch gefeiert

 

September

Die Herzogin
(The Duchess)


Historienfilm/Drama - GB/Italien/Fr. 2008
ab 12 Jahren - 110 Min.
Regie: Saul Dibb

Mit blutjungen 16 Lenzen wird Georgiana Spencer (Keira Knightley) von ihrer Mutter (Charlotte Rampling) mit dem deutlich älteren, einflussreichen fünften Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) vermählt. Ihre hohen Erwartungen an die Liebe werden bitter enttäuscht - der Gatte behandelt sie eiskalt. Gekränkt widmet sich die kluge Herzogin dem Gesellschaftsleben und wird zur Ikone. Während ihr Mann eine Geliebte hält, trifft sie Charles Grey (Dominic Cooper).

Nach der Bestseller-Biografie von Amanda Forman gelingt Saul Dibb ein aufwändiges Kostümdrama um die skandalumwitterte Aristokratin - eine Vorfahrin von Lady Diana. In dem eleganten und realistischen Sittenbild glänzt Keira Knightley ("Fluch der Karibik") als lebenshungrige Herzogin.

Oktober

 

Alle Filme im Überblick

Deutschland 2009

Als Gesamtwerk ist „Deutschland 09“ schwer zu fassen und zu beschreiben. Der einzige gemeinsame Nenner der 13 Kurzfilme ist Deutschland, das aus vielen unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Das Themenspektrum reicht von der Anti-Terror-Datei, über Kommentaren zu Globalisierung und Armut bis hin zum Entwurf von Zukunftsszenarien und zur Behandlung als typisch deutsch geltender Verhaltensweisen. Auch in der Herangehensweise gleicht kein Film dem anderen. Verschiedene Genres wie Komödie, Science-Fiction, Halb-Dokumentarisches und Drama führen zu den unterschiedlichsten Tonfällen und Stimmungen. Absurdes, Abgedrehtes und Architektonisches stehen hier nebeneinander. Gerade diese Gegensätze sind reizvoll, zu Beginn eines neuen Beitrags, ist es stets unklar, wohin der folgende filmische Kurztrip führt.

Willkommen bei den Sch´tis

Philippe Abrams (Kad Merad) ist Filialleiter einer kleinen Poststelle in der Provence. Aufgrund der Launen seiner Ehefrau Julie (Zoé Félix) bemüht er sich seit einiger Zeit, an die sonnige Cote d´Azur versetzt zu werden, um ihr wankelmütiges Gemüt etwas aufzuheitern. Dank der Bemühungen seines Freundes Jean (Stephane Freiss) gelingt es ihm beinahe, die begehrte Stelle zu ergattern, doch ein Konkurrent erweist sich als behindert und wird daher bevorzugt. Bei der nächsten Bewerbung möchte Philippe nicht erneut leer ausgehen und gibt sich trotz großen Bedenken seitens Jeans als Rollstuhlfahrer aus. Prompt wird er bei einer routinemäßigen Kontrolle der Behörden als skrupelloser Betrüger entlarvt – und in den ungeliebten Norden Frankreichs strafversetzt. Über die Region und besonders deren angeblich besonders einfältigen Einwohner werden sich im Süden oft wahre Horrorgeschichten erzählt. Insbesondere die primitive Sprache der Nordfranzosen steht häufig im Zentrum der Kritik. Dementsprechend demotiviert macht sich Philipp ohne seine Frau und den gemeinsamen Sohn Raphaël (Lorenzo Ausilia-Foret) auf den Weg. Kaum an seinem neuen Arbeitsort Bergues angekommen, begegnet Philippe seinem Kollegen Antoine Bailleul (Dany Boon) und versteht zunächst einmal kein Wort…

Fahrraddiebe

Antonio sitzt außerhalb. Die anderen drängen sich um einen Mann, der Scheine ausgibt für Arbeit. Als er Antonio Ricci ruft, muss der von einem anderen geholt werden. Antonio ist verzweifelt. Er hat eine Familie zu versorgen, seine Frau Maria und zwei Kinder, darunter den kleinen Bruno. Antonio wartet seit langem auf Arbeit, irgendetwas an Arbeit. Jetzt hat er eine Chance. Der Arbeitsvermittler will ihn als Plakatkleber vermitteln. Dazu ist unabdingbar, dass Antonio ein Fahrrad besitzt, auf dem er mit Leiter, Plakaten und Leim durch halb Rom fahren muss, um Geld zu verdienen. Doch er hat sein Fahrrad verpfändet, was er dem Vermittler verschweigt.
Als Maria davon hört, handelt sie kurz entschlossen. Sie zieht das Bett ab, holt die restliche Bettwäsche aus dem Schrank, bringt alles in die Pfandleihe und so kann Antonio sein Fahrrad wieder auslösen. Ein bisschen Sonne und ein bisschen Glück scheinen die Familie Ricci zu erwarten. Ein ganz ordentliches Gehalt, mit einigen Zulagen, steht ins Haus. Und am nächsten Morgen fängt Antonio an. Ein Plakat mit Rita Hayworth ist rasch angebracht, auch wenn noch ein paar Falten auf dem Plakat nicht ausgebügelt sind. Antonio wird es schnell lernen, Plakate „sauber“ zu kleben. Doch dann stiehlt jemand Antonios Fahrrad. Obwohl er dem Dieb (Vittorio Antonucci) hinterherrennt, bekommt er ihn nicht zu fassen.

Lücke im System

Die Schweizer Globalisierungsgegner Alex (Vincent Bonillo) und Fred (Francois Nadin) planen, pünktlich zum bevorstehenden Weltwirtschaftsforum, den internationalen Zahlungsverkehr per Computervirus lahm zu legen. Am Tag darauf erwacht Alex in einem Krankenhaus, seiner Erinnerungen an die vergangenen 24 Stunden komplett beraubt. Um festzustellen, was passiert ist und warum ihn die unterschiedlichsten Interessengruppen verfolgen, unterzieht er sich einer gewagten Therapie.

Mana - die Macht der Dinge

Mana - das sind magische Gegenstände, die einem Kraft und Macht verleihen oder Glück bescheren. Amulette und Glücksbringer, ob Elvis' Gitarre oder ein riesiger Thunfisch, jede Kultur hat solche willkürlichen Objekte erkoren, an die ihre Menschen glauben. Dadurch erlangen die Dinge Macht über sie, während Pilgerreisen zu ihnen unternommen werden. Das betrifft keinesfalls nur indianische Medizinmänner in Lehmhütten, sondern ist mit religiösen, künstlerischen oder wirtschaftlichen Aspekten auch in unserer modernen Gesellschaft zu finden.

Das Verhör

In der nahen Zukunft hat der totalitäre Überwachungsstaat seine Schatten auf das tägliche Leben der Bürger geworfen und subversive Umtriebe wie etwa das Feiern wilder Partys und das Lesen von Autoren wie Kafka oder Victor Hugo verboten. Deshalb sitzt der 1968 geborene Arbeiter Johann (Manfred Möck) im finsteren Verhörraum und wird unter Drogen von Spezialisten der Friedenserziehung ausgequetscht. Denn auf seinen Hochverrat steht die Todesstrafe.
Spartanisch und minimalistisch geht es in dem Orwellschen Kammerspiel von Rafael Kühn zu, dem für sein beklemmendes Schwarz-Weiß-Drama auf engstem Raum nur ein kleines Sümmchen zur Verfügung stand. Brecht stand Pate für das ernsthafte Theaterspiel mit Freiheits-Botschaft.

Free Rainer

Das Diktat der Einschaltquoten hat aus TV-Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) einen dauerkoksenden Zyniker gemacht. Des von ihm verantworteten unsäglichen Programms überdrüssig, entwickelt er dennoch eine stumpfsinnige Show nach der anderen. Als ihn die junge Pegah (Elsa Sophie Gambard) absichtlich über den Haufen fährt, um den Tod eines geliebten Menschen zu rächen, ist Schluss mit dem Unterschichtenfernsehen. Rainer hackt sich in die Quotenmessgeräte, manipuliert sie und löst eine Flut von intelligenten Sendungen aus.

 

November

"Schmetterling und Taucherglocke"
Drama - Frankreich/USA 2007
ab 12 Jahren - 112 Min.
Regie: Julian Schnabel

Als Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) 1995 erwacht, realisiert er nach und nach, dass er einen Gehirnschlag erlitten hat. Ein Schock für den vitalen Chefredakteur der französischen Elle, bei dem mit 43 Jahren das unheilbare "Locked-in-Syndrome" diagnostiziert wird. Seine einzige Kommunikationsmöglichkeit ist sein linkes Auge, mit dessen Lidschlag er beginnt, seine Memoiren zu diktieren. Er mobilisiert alle Kraftreserven, um seine Erfahrungen mit poetischer Schönheit festzuhalten.

Für die eindringliche und lebensfrohe Bestsellerverfilmung von Julian Schnabel ("Before Night Falls", "Basquiat") gab's die Goldene Palme für die Beste Regie in Cannes, zwei Golden Globes und vier Oscar-Nominierungen. In weiteren Rollen sind Emmanuelle Seigner, Marie-Josée Croze und Max von Sydow zu sehen. Für die Kamera-Arbeit war Oscar-Preisträger Janusz Kaminski zuständig.

Dezember

"Oben"
Trickfilm/Abenteuer - USA 2009
Ohne Altersbeschränkung - 96 Min.

Carl Fredericksen hat Zeit seines Lebens mit seiner Frau davon geträumt, die Welt zu bereisen, Abenteuer zu erleben und in Südamerika die Paradise Falls zu besuchen. Immer ist etwas dazwischen gekommen. Nach ihrem Tod will der 78-Jährige die Pläne endlich in die Tat umsetzen, zumal sein Häuschen einer neuen Immobilie den Platz räumen soll. Unfreiwillig begleitet von dem hartnäckigen Pfadfinder Russell macht er sich auf den Weg - inklusive seines Häuschens, das sich, an zahllosen Ballons aufgehängt, in die Lüfte schwingt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das Jahr 2009


Ein Blick auf das Veranstaltungsprogramm des vergangenen Jahres zeigt, dass wir einmal mehr solide gearbeitet haben. Neben unserem regulären Programm fand ein drittes Filmfest statt, im April gab es eine Helge-Schneider-Kultnacht, und wir kooperierten wie gewohnt in zufriedenstellender Weise mit Seifersdorf und dem Schloss Klippenstein.

Die Filme, die wir 2009 zeigten, waren (abgesehen von den Fahrraddieben beim Filmfest) ausnahmslos jüngeren Datums. Genauer gesagt: sie wurden alle in den letzten zehn Jahren gedreht. Ein Vorrang neuerer Produktionen ist nicht zu tadeln; ausschlaggebend war die Qualität derjeweils ausgewählten Produktion, nicht das Erscheinungsjahr. Ebenso hatten wir keinen geographischen Exoten im Programm. Auch das ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass wir konsequent bemüht sind, die Maximen unserer Gründungserklärung in unserer Programmgestaltung zu berücksichtigen und unsere Auswahl nicht vorrangig anhand von kürzlich selbst gesehenen Filmen treffen (nur in Klammern: im Jahr 2008 hatten wir mit dem großen Rennen von Belleville einen Trickfilm für Erwachsene im Programm, mit den Modernen Zeiten einen Klassiker, mit „African Blues“ einen Exoten. Andererseits: 2009 hatten wir „Das Verhör“ in Anwesenheit des Regisseurs, Helge Schneiders „Jazzclub“, an dem sich die Geister scheiden... Es ist im Prinzip nicht möglich, Programme zu vergleichen.).

Wirklich abwechslungsreich war die Gestaltung unserer Vorprogramme: Im Januar, zu „Rivers and Tides“, ließen wir das Publikum basteln, im Februar, zu „Once“, gab es Straßenmusik von Ecke und Stefan, im März, zu „Into the wild“, sollte das Publikum überlegen, welche Gegenstände aus einer vorgegebenen Liste nützlich zum Überleben nach einem Flugzeugabsturz in der Wüste sein könnten, im April, zur Helge-Schneider-Nacht, gab es Lesung und Hörspiel. Dazu sei allerdings kritisch angemerkt, dass ein Vorprogramm immer professionell daherkommen sollte: Attel ist ein sehr guter Entertainer, mit dem wir ausgezeichnet zusammenarbeiten, aber auf die Lesung hatte er sich offenbar nur wenig vorbereitet.
Unsere Vorprogramme zum Filmfest waren geradezu phänomenal, jeden Abend gab es ein anderes Highlight: Pantomime, Puppentheater, Zauberei, Karikaturenzeichnen. Durch dieses Zusammenspiel von Film und Rahmenprogramm ergab sich eine Art Gesamterlebnis, wie wir es uns ja auch in unserer Gründungserklärung vorgestellt hatten.

Ein Blick auf unsere Besucherzahlen zeigt, dass wie erwartet die Wintermonate mehr Gäste bringen; der Sommer bietet zu viele andere Anreize; die 2008 eingeführte Sommerpause hat sich daher als sinnvolle Energieeinsparung erwiesen. Im Durchschnitt blieben die Besucherzahlen 2009 im Vergleich zum Vorjahr konstant. Besonders erfreulich ist die hohe Akzeptanz der Kindervorstellung, die nach den wenig erfolgreichen Veranstaltungen 2006 und 2007 schon beinahe vor der Abschaffung stand.
Die wenigen Gäste zum Open Air im Schloss waren sicher zum einen dem Wetter geschuldet, das uns diesmal während der Vorstellung zu einem Umzug ins Innere des Schlosses zwang, zum anderen aber möglicherweise dem Bekanntheitsgrad des Films. Spekulationen helfen hier aber nicht weiter; ein Open Air ist grundsätzlich eine unsichere Sache.

Insgesamt ist unser Publikum nach wie vor gut durchmischt, und nicht jeder Film zieht dieselben Gäste an (wobei mancher Jahreskartenbesitzer zu jedem Film kommt). Nach wie vor bilden allerdings Jugendliche die Minderheit. Immer noch kommen Leute, die ganz überrascht sind, dass es in Radeberg wieder Kino gibt.
Eigentlich sollte man meinen, unsere regelmäßigen Ankündigungen an der Litfasssäule und in der Presse seien hinreichende Werbemittel, aber offenbar ist es möglich, so etwas zu übersehen. Zum Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ist insgesamt zu sagen, dass die Zeitungen nach wie vor unzuverlässige Partner sind. Einzig die Sächsische Zeitung berichtete regelmäßig über unsere Veranstaltungen und die Vorbereitungen des Filmfestes; der Wochenkurier nimmt beinahe keine Texte von uns mehr auf; die Radeberger druckt unsere Pressemitteilungen nur sporadisch ab. Unsere Werbekampagne zum Filmfest – die großen Gesichter, die wir an den Laternenmasten anmontierten – war den Lokalzeitungen keine Meldung wert. Von der Bevölkerung wurden die Gesichter aber wahrgenommen; damit hatte sich unsere Arbeit gelohnt.

Bei der großen Bastelaktion im Garten von Rolf und Sybill für die Filmfestwerbung kann man mittlerweile schon von einer Tradition sprechen; und auch für 2009 verlief diese Aktion in angenehm kreativer Atmosphäre und machte Spaß. Überhaupt kann im Rückblick unsere vereinsinterne Zusammenarbeit nur als positiv bewertet werden. Wir sind ein kleiner Verein, und unsere Projekte können prinzipiell nur gelingen, wenn jeder seine Aufgaben verlässlich erledigt.
In diesem Zusammenhang sei exemplarisch die Teilnahme an der Vereinsstraße genannt, die in Vorbereitung und Durchführung aufwändig war (in Klammern: dass das Konzept insgesamt noch unausgegoren ist, ist nicht unsere Schuld), oder die Zusammenstellung des Filmfest-Werbetrailers, oder die Beantragung der Filmfest-Fördermittel, oder unser Großprojekt: das Filmfest, das für alle Vereinsmitglieder arbeitsintensiv war. Sicher half uns die Erfahrung der ersten beiden Feste: Die Stimmung war angenehm, die anstehenden Aufgaben wurden gut verteilt und erfüllt, es traten wenige organisatorische Schwierigkeiten auf.

Auch dieses dritte Filmfest war ein Erfolg für uns: Im Jahr 2008 hatten wir gute Erfahrungen damit gemacht, das Programm zeitig festzulegen. So gelang es uns auch 2009, alle Filme vor der Sommerpause auszuwählen; bei den Fahrraddieben und „Deutschland '09“ hatten wir allerdings Probleme, vom jeweiligen Verleih eine verbindliche Zusage zu bekommen. Wir freuten uns, mit „Das Verhör“ einen Dresdner Film im Programm zu haben; der Regisseur hatte seine Anwesenheit zur Vorführung sofort zugesagt.
Eine wichtige Änderung gab es im Vergleich zu den Vorjahren: Amateurfilmwettbewerb und Filmball sollten nicht länger auf Schloss Klippenstein stattfinden, weil vor allem der logistische Aufwand für diesen einen Abend in Anbetracht unserer geringen Mitgliederzahl in keinem Verhältnis zum Nutzen stand. Wir entschieden uns also, die Abschlussveranstaltung in die Kinobar zu verlegen; statt einer großen Band engagierten wir ein Duo. Die Fotoausstellung, die wir für den Filmball im Schloss aufgebaut hatten, war während der gesamten Woche in der Kinobar zu sehen und stand unter dem Thema des Festes.
Der Aufruf, Amateurfilme einzureichen, fand 2009 größeres Gehör, doch angesichts des vom Bürgermeister gestifteten Preisgeldes erschien diese Entwicklung kaum überraschend.
Unsere Filmauswahl erwies sich als gelungen und abwechslungsreich. Das Vorprogramm war – wie schon angedeutet – jeden Abend von hoher Qualität und kam sehr gut beim Publikum an. Der Kassenschlager „Willkommen bei den Sch’tis“ war ausverkauft; eine zweite Vorführung sollte diejenigen entschädigen, die vergeblich nach Karten angestanden hatten. Bei den übrigen Filmen waren die Besucherzahlen niedriger, entsprachen aber dem Durchschnitt. Erstaunlich war, dass der relativ unbekannte Dresdner Film „Das Verhör“ so viele Zuschauer ins Kino lockte, die nach der Vorstellung noch lange sitzenblieben, um sich an der Diskussion mit dem Regisseur Rafael Kühn zu beteiligen. Er selbst dankte uns im Nachgang für dieses ergiebige Gespräch und sagte, so offen und rege sei ihm das Publikum noch in keiner Vorführung gegenüber getreten. Die Resonanz der Gäste auf unser Gesamtprogramm (nicht nur auf den Film, sondern auch den Rahmen: der Zauberer etwa wurde von allen Anwesenden wortreich gelobt) war durchweg positiv. Eine ganze Reihe von ihnen nutzte unser Angebot der Dreierkarte.
Die Verlegung des Amateurfilmwettbewerbs in die Kinobar erwies sich als gute Idee. Das Kino war gut gefüllt; das Preisgeld ging verdient an den besten Beitrag, und die Live-Musik passte zur Größe des Raumes. Diese Art des Filmfestausklangs mag vielleicht nicht so großartig sein wie ein Ball im Schloss, aber die Gäste und wir selbst empfanden die verkleinerte Variante als entspannter und gemütlicher.

Dank der Förderung durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien konnten wir uns vorrangig auf die inhaltlichen Punkte unseres Projektes konzentrieren. Es hat uns sehr geholfen, die Finanzierung gesichert zu sehen - ohne diesen Hintergrund wäre ein Gelingen des Filmfestes undenkbar gewesen. Die Antragstellung beim Kulturraum ist an sich nicht besonders schwierig, hat aber einen langen Vorlauf. Wir sollten vielleicht darüber nachdenken, ob wir uns bei einer anderen Organisation mit für uns angenehmeren Fristen nach Fördermitteln umschauen. Überhaupt gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit noch mehr Möglichkeiten, als gemeinnütziger Verein finanziell unterstützt zu werden. Uns fehlen nur bislang Zeit und Energie, uns intensiv damit zu befassen. Es wäre aber zumindest zu erwägen, etwas mehr Kraft in eine solche Suche nach Sponsoren zu investieren.
Unsere Kräfte sind beschränkt, und wir können auf das, was wir leisten, auch stolz sein. Doch frischer Wind und zusätzliche Hilfe tun uns gut. Im Zuge unserer Mitgliederwerbung gab es gegen Jahresende Interesse an unserer Vereinsarbeit, das jedoch recht schnell wieder erlosch. Umso mehr freut es uns, dass wir mit Cynthia Heflebower und Annett Berthel zwei neue Mitglieder gewinnen konnten.

Dieser Rückblick bot kaum Anlass für Kritik. Alles läuft gut, und wir haben sogar schon das erste Highlight des Jahres 2010 hinter uns: den Schwarzen Winter – ein schwarzhumoriges Filmdoppel mit dem Knochenmann und der Kunst des negativen Denkens. Auffällig war dabei, dass ausgerechnet der letzte Tag, ein Dienstag, am besten besucht war. Möglicherweise wäre es durchaus sinnvoll, auch außerhalb des Wochenendes Veranstaltungen anzubieten, wenn unsere Kräfte das zulassen. Denn auch wenn unsere Besucherzahlen nicht dramatisch niedrig sind, wären ein paar mehr Gäste durchaus wünschenswert.
Wer weiß, vielleicht wird ja das Thema des diesjährigen Filmfestes die Leute scharenweise ins Kino locken: die Liebe ist schließlich ein Gebiet, zu dem jeder etwas zu sagen hat.


Antje Junghanß, Vereinsvorsitzende